18 Jun

Das Leiden der Nutztiere – eine Frage des Verstehens?

Von Janine Borcherding (Bremen)

Alljährlich werden allein in Deutschland Hunderte Millionen sogenannter ‚Nutztiere‘ – meist unter grausamen Bedingungen – für unsere Nutzung getötet[1]. Für diesen ethisch bedenklichen Umgang gibt es sicherlich vielfältige psychologische, soziologische und ökonomische Gründe. Aber gehen wir vielleicht auch deshalb so mit ‚Nutztieren‘ um, weil wir sie nicht verstehen? Und ist dieses Missverstehen womöglich selbst schon eine Ungerechtigkeit ihnen gegenüber? In diesem Beitrag möchte ich zeigen, dass der Begriff der epistemischen Ungerechtigkeit auch etwas zur Erklärung unseres Verhaltens gegenüber Nutztieren beitragen kann.

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18 Jun

Habermas zum 95. Geburtstag

Von Detlef Horster (Hannover)


Jürgen Habermas war sein Leben lang ein beharrlicher Aufklärer. Immer hat er sich in politisch brisanten Situationen eingemischt und Diskussionen auf hohem intellektuellem Niveau geführt, bereits in der Adenauer-Ära, dann bei den Notstandsgesetzen, in der Studentenbewegung, bei der Hochschulreform, später in der gefährlichen Pogromstimmung des deutschen Herbstes von 1977, bei den NATO-Beschlüssen zur Nachrüstung, im Historikerstreit, in dem es wieder einmal um unsere unzulänglich aufgearbeitete Vergangenheit ging, dann wieder bei der deutschen Vereinigung, im Irak-Krieg, beim NATO-Einsatz in Jugoslawien und zuletzt in der Gentechnik-Debatte. Auch seine wissenschaftlichen Werke zur Gesellschaftstheorie waren politisch motiviert: Habermas wuchs in einer Zeit auf, in der die Menschen sich dem Konformitätsdruck der Nazi-Ideologie beugten, um das zu tun und zu denken, was anderen gefiel, und was opportun war.

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11 Jun

300 Jahre Kant: Sex und Gender II

Beiträge von Violetta L. Waibel, Konstantin Pollok und Jörg Noller aus der Reihe 300 Jahre Kant – Das Unzeitgemäße in seiner Philosophie.

Mit der Reihe 300 Jahre Kant – Das Unzeitgemäße in seiner Philosophie möchten wir den Fokus auf das Anachronistische, Antiquierte und Unzeitgemäße bei Kant legen. Dabei geht es nicht darum, Kant zu diskreditieren. Ziel ist vielmehr, durch eine Vielzahl kurze Statements einen Eindruck zu vermitteln, wie divers die heutige Kantforschung (im europäischen Raum und darüber hinaus) ist und wo sie die Grenzen von Kant verortet. Dafür veröffentlichen wir seit dem 22. April 2024 jeden zweiten Dienstag zwei bis vier thematisch verwandte Kurzbeiträge.

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04 Jun

Krise der Meinungsfreiheit?

Prof. Dr. Ulrike Ackermann im Gespräch mit Dr. Sarah Rebecca Strömel

Wie steht es um die gesellschaftliche Wahrnehmung der Meinungs- und Redefreiheit in unserer Demokratie? Was ist vom Phänomen „Cancel Culture“ zu erwarten? Und was können, sollen und müssen wir als Bürgerinnen und Bürger tun, um die Freiheit in der Demokratie zu bewahren? Diese und weitere Fragen stellt Dr. Sarah Rebecca Strömel im Interview mit Prof. Dr. Ulrike Ackermann, die 2009 das John Stuart Mill Institut für Freiheitsforschung gegründet hat und sich seit vielen Jahren mit politiktheoretischer und empirischer Forschung zur Freiheit beschäftigt. Das Gespräch findet im Rahmen der Interviewreihe „Säulen der Demokratie“ statt, die vom Lehrstuhl für Politische Philosophie, Theorie und Ideengeschichte der Uni Regensburg in Kooperation mit dem Philosophieblog „praefaktisch“ produziert und ausgestrahlt wird. Folgende Themen kommen zur Sprache:

00:00 Intro und Begrüßung
01:03 Freiheit als Lebensthema
03:04 Freiheitsindex des Mill-Instituts
05:01 Müssen wir uns Sorgen um die Freiheit machen und wenn ja, um welche Freiheit?
07:31 Cancel Culture als Chance oder als Gefahr?
12:11 John Stuart Mill und die Freiheit
16:35 Ist die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr?
20:06 Ausblick: Was tun?

28 Mai

300 Jahre Kant: theoretische Philosophie

Beiträge von Georg Spoo, Mahdi Ranaee und Daniel Erlewein aus der Reihe 300 Jahre Kant – Das Unzeitgemäße in seiner Philosophie.

Mit der Reihe 300 Jahre Kant – Das Unzeitgemäße in seiner Philosophie möchten wir den Fokus auf das Anachronistische, Antiquierte und Unzeitgemäße bei Kant legen. Dabei geht es nicht darum, Kant zu diskreditieren. Ziel ist vielmehr, durch eine Vielzahl kurze Statements einen Eindruck zu vermitteln, wie divers die heutige Kantforschung (im europäischen Raum und darüber hinaus) ist und wo sie die Grenzen von Kant verortet. Dafür veröffentlichen wir seit dem 22. April 2024 jeden Dienstag drei thematisch verwandte Kurzbeiträge.

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23 Mai

Krise als metaphorisches Phänomen: Von „Virus“ über „Welle“ bis zu „Lockdown“

Von Marlon Possard (Wien)

In den vergangenen Jahren konnte beobachtet werden, dass die Thematik rund um das pandemische Geschehen (COVID-19) den medialen Diskurs in vielerlei Hinsicht bestimmte. Hierfür bediente man sich speziellen Metaphern, die auch für eine philosophische Analyse von Interesse sind. Denn die facettenreichen Verknüpfungen zwischen Krise einerseits und Metaphorik andererseits sind gegenwärtig immer noch fließend. Das zeigen auch die US-amerikanischen Philosophen G. Lakoff und M. Johnson im Rahmen ihrer Metapher-Theorie auf.

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21 Mai

Ein Streiter für die analytische Philosophie – Georg Meggle wird 80 Jahre alt

Christoph Lumer (Siena) und Ulla Wessels (Saarbrücken)


Als Georg Meggle 1984 seine Habilitationsschrift zur Handlungstheoretischen Semantik fertigstellt, ahnt er vermutlich nicht einmal selbst, wohin ihn seine philosophische Reise noch führen würde: von sehr komplexen und technisch-formalen Arbeiten zur Kommunikationstheorie über einen innerphilosophischen Fachwechsel zur Angewandten Ethik und Politischen Philosophie bis hin zu philosophisch basiertem politischen Engagement. Insbesondere entwickelt sich Georg Meggle zu einem konzessionslosen und vehementen Streiter für freie Diskussion in Philosophie und Gesellschaft. Hinzu kommt philosophiepolitischer Einsatz: Er wird mit der Gründung und anfänglichen Führung der Gesellschaft für Analytische Philosophie zu einem der wichtigsten Organisatoren der Philosophie in Deutschland. Aber der Reihe nach.


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16 Mai

Anarchy, State, and Utopia wird 50

Von Fabian Wendt (Blacksburg, Virginia)


Robert Nozicks Anarchy, State, and Utopia wird in diesem Jahr 50. In der akademischen politischen Philosophie hat das Buch den Ruf, ein Klassiker zu sein. Jeder kennt zumindest ein paar der Gedankenexperimente aus dem Buch, etwa die Geschichte von Wilt Chamberlain oder die „experience machine“. Für viele gilt das Buch als die Exposition einer libertären Position in der politischen Philosophie – und oft ist es die einzige, die überhaupt zur Kenntnis genommen wird. In Brian Leiters Umfrage von 2016 kam Nozick auf Platz 8 der bedeutendsten anglophonen Moral- und politischen Philosophen seit 1945.

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14 Mai

300 Jahre Kant: Sex und Gender

Beiträge von Larissa Wallner, Matthew King, Elke Elisabeth Schmidt und Martin Brecher aus der Reihe 300 Jahre Kant – Das Unzeitgemäße in seiner Philosophie.

Mit der Reihe 300 Jahre Kant – Das Unzeitgemäße in seiner Philosophie möchten wir den Fokus auf das Anachronistische, Antiquierte und Unzeitgemäße bei Kant legen. Dabei geht es nicht darum, Kant zu diskreditieren. Ziel ist vielmehr, durch eine Vielzahl kurze Statements einen Eindruck zu vermitteln, wie divers die heutige Kantforschung (im europäischen Raum und darüber hinaus) ist und wo sie die Grenzen von Kant verortet. Dafür veröffentlichen wir seit dem 22. April 2024 jeden Dienstag drei thematisch verwandte Kurzbeiträge.

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09 Mai

Epistemische Ungerechtigkeiten im Kontext Künstlicher Intelligenz

Von Anastassija Kostan (Paderborn/Frankfurt)

Aktuell gibt es fast jede Woche Neuigkeiten zur künstlichen Intelligenz. Aus dem rasanten Wechsel zwischen Personalia-Skandalen bei den Tech-Giganten, der fortlaufenden Präsentation immer wieder neuer Etappen der Technologieentwicklung und den nachhinkenden Regulierungsdebatten ist mittlerweile eine regelrechte „KI-Fatigue“ entstanden. Gleichzeitig ist der Einsatz künstlicher Intelligenz aus unserem Alltag überhaupt nicht mehr weg zu denken. KI getriebene Programme urteilen immer häufiger und zunehmend ohne menschliche Aufsicht darüber, wer einen Job bekommt, Anspruch auf einen Kredit hat oder Sozialhilfe beziehen kann und dergleichen mehr.

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