05 Jul

Plurale Wahrheit mit menschlichem Antlitz

In Krisenzeiten wie in der gegenwärtigen Corona-Pandemie nimmt der Mensch die Welt als besonders kontingent wahr. Das Virus ist unberechenbar. Dies weckt Sehnsucht nach klaren Parametern des Wissens, es muss aber gleichzeitig ein Umgang mit dem Nichtwissen gefunden werden. Als Orientierungshilfe hilft eine pragmatische Perspektive. – Ein philosophischer Versuch.

Von Richard Blättel

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20 Jun

Die Not-Wende. Denken in der Krisis

Von Gabriel Valladão Silva (Berlin)

Das Denken fühlt sich von der Krisis dazu genötigt, rasch zu urteilen. Die gegenwärtige Zeit ist eine solche, in der sich die Zeit von Krisis zu Krisis verkürzt. Sie ist eine überraschende Zeit für das Denken. Das über-raschte Denken denkt notgedrungen und urteilt vorschnell. Sein Urteil ist ein unbedachtes Vorurteil, das unmittelbar aus dem Gefühl der Entrüstung verurteilt. Das entrüstete Verurteilen steht dem Denken aber ganz und gar nicht. Nietzsche behauptet, die Entrüstung sei sogar das unfehlbare Zeichen der Abwesenheit des eigentlich philosophischen Humors. Er bezeichnet sie als „die perfideste Art der Rache“.

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05 Jun

Spiritualität in der Krise

Von Olivia Mitscherlich-Schönherr (München)


Die Corona-Krise kann spirituelle Befreiung ermöglichen

Die gegenwärtige Corona-Krise ist auch eine spirituelle Krise. Ihre spirituellen Aspekte sind vielfältiger Natur. Die spirituelle Corona-Krise betrifft die großen Religionsgemeinschaften, aber auch uns in unserer individuellen Existenz. Im Zusammentreffen dieser unterschiedlichen Aspekte eröffnen sich Chancen zu spiritueller Erneuerung, die auch der pluralen Demokratie guttäte.

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30 Mai

Wenn Fernunterricht zu Homeschooling wird: Bildungsgerechtigkeit und elterliche Pflichten

Von Johannes Giesinger (Zürich)


Mit der Schliessung der Schulen wurde der gewöhnliche Unterricht («Präsenzunterricht») auf «Fernunterricht» umgestellt. Häufig war auch von «Homeschooling» die Rede. Diese Bezeichnung erscheint einerseits als unzutreffend, andererseits aber entspricht sie wohl den Zuständen, die während des Shutdowns in vielen Familien herrschten.

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25 Mai

Von Fledermäusen, Schweinen und Hunden

Von Leonie Bossert (Tübingen)

Ist das Covid-19-verursachende Virus nun von Fledermäusen direkt, von Fledermäusen mit Zwischenwirten wie Schuppentieren oder doch – wie jüngst Christian Drosten in die Debatte eingebracht hat  – von Marderhunden auf den Menschen übergegangen? Wie wahrscheinlich ist der Ausbruch von Epidemien in „unseren Schweineställen“, in denen Viren zwangläufig gut gedeihen, wie auch vom Virologen Peter Rottier betont wurde? Und was besagt die Krise über das Mensch-Tier-Verhältnis, wenn die (nachvollziehbare) Angst vor Ansteckung dazu führt, dass zahlreiche Hunde in Tierheimen stranden oder aber Menschen für die Zeit der Ausgangssperre zur persönlichen Zerstreuung gerne ein Tier aus dem Tierheim aufnehmen möchten, welches danach dann aber bitte wieder vom Heim „zurückgenommen“ wird?

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22 Mai

Pandemie und ökologische Krise: Ein Reflexionsversuch aus vernunftethischem Blickwinkel

Von Kay Herrmann (Chemnitz)

Wie hält man es während einer Kontaktsperre mit sich selbst aus? Kann ich auf die Wissenschaft vertrauen? Vielleicht doch besser an eine große Verschwörung glauben? Wohin mit meiner Wut, wenn ich zu den großen Verlierern der Krise gehöre? – Eine Krise konfrontiert uns auch mit den großen, grundsätzlichen und existenziellen Fragen. Aber was, wenn es nicht immer eindeutige Antworten gibt? Ethische Dilemmata: Was tun, wenn ein Handeln nicht ohne Schädigung des andern möglich ist?

Nehmen wir das Damoklesschwert einer vielleicht gravierenderen Krise – die ökologische Krise – überhaupt noch wahr? – höchste Zeit, aus der Corona-Krise Lehren zu ziehen.

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13 Mai

Bausteine einer Ethik der Krise angesichts des COVID-19-Ausnahmezustandes

Von Helmut P. Gaisbauer (Salzburg)

Außergewöhnliche Zeiten verlangen nach außergewöhnlichen Antworten. Derzeit durchleben wir eine globale humanitäre Krise, die uns alle gleichzeitig bedrängt und bedroht. Wir kennen ihren Beginn und bisherigen Verlauf; wir wissen aber noch nicht, wann wir als nationalstaatliche Gemeinschaft, wann als gesamte Menschheit diese Krise meistern werden. Und noch ist ebenso wenig absehbar, welche psychischen, ökonomischen und sozialen Folgen diese Krise zeitigen wird. Der Ausnahmezustand wird noch andauern; er wird sein Gesicht ändern. Und wir werden ihm eine neue Ethik des Ausnahmezustandes abringen müssen. Dies nicht zuletzt deswegen, weil die COVID-19-Krise zwar die Klimakrise aus der Wahrnehmung gedrängt hat, diese aber weiterhin fortschreitet und Antworten auf ethisch zunehmend schwieriger werdende Fragen verlangt. Auch dafür können wir aus der gegenwärtigen Pandemie lernen.

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11 Mai

Mehrbelastung von Wissenschaftler*innen in der Corona-Pandemie – Eine Replik auf Gottfried Schweigers Kommentar zur SWIP Stellungnahme

von Andrea Klonschinski (Kiel)


Gottfried Schweiger hat an diesem Ort kürzlich *Kritik* an der *Stellungnahme* der Society of Women in Philosophy e. V. (SWIP) zur Corona-Pandemie geübt. Die Stellungnahme, so Schweiger, sei zu vage, benenne weder die für bestimmte Maßnahmen Verantwortlichen, noch differenziere sie hinreichend zwischen den negativ Betroffenen und lasse es an Vorschlägen konkreter gegenseitiger Solidarität im Wissenschaftsbetrieb vermissen. Damit sende sie insgesamt ein zu schwaches Signal. Während ich viele seiner grundlegenden Überlegungen teile, scheint mir eine Kritik an der SWIP-Stellungnahme nicht der richtige Ort, um diese zu artikulieren. Tatsächlich vermengt Schweiger meines Erachtens verschiedene Themen bzw. Fragen, die alle in der derzeitigen Situation relevant sind, aber auseinandergehalten werden sollten, wie ich im Folgenden skizzieren möchte. Dabei weist die Auseinandersetzung mit der SWIP-Stellungnahme über den konkreten Anwendungsfall hinaus, insofern sie Ungerechtigkeiten im Wissenschaftsbetrieb sowie den angemessenen individuellen und institutionellen Umgang damit thematisiert.

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10 Mai

Expertenherrschaft oder Wissenschaftskommunikation? Wissenschaftliche Politikberatung in Zeiten der Corona-Krise

Von Alexander Reutlinger (München)

Was ist die Rolle von Wissenschaftler/innen in der Corona-Krise? Sie beraten Politiker/innen, lautet die schnelle Antwort. Aber was bedeutet das genau? Und ist das überhaupt eine demokratisch legitimierte Aufgabe für Wissenschaftler/innen? Es gibt Stimmen, die Bedenken äußern: Haben Wissenschaftler/innen die gewählten Volksvertreter/innen unrechtmäßig ersetzt? Diese Befürchtung legt z.B. die provokante Frage „Ist das unser neuer Kanzler?“ (in Die Zeit) in Bezug auf den Virologen Christian Droste nahe. Ganz ähnlich gelagert werden auch mediale Äußerungen von Wissenschaftler/innen kritisch reflektiert: Beraten Wissenschaftler/innen lediglich, wenn sie in ihrer Rolle als Wissenschaftler/innen beispielsweise öffentlich verkünden, sie seien ganz klar für die Maskenpflicht? Diese und weitere Bedenken werfen eine politische Frage auf, die im Zentrum der Corona-Krise steht: Wo hört eine durch wissenschaftliche Expertise gerechtfertigte Beratung auf? Wo fängt eine demokratisch nicht mehr legitimierte Einmischung in die Regierungspolitik an?

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