28 Mai

(Un-)Veränderlichkeit der Kategorien?

Von Mahdi Ranaee (Siegen)
Kant leitet die Kategorien aus den Urteilsformen ab und rühmt sich, sie im Gegensatz zu Aristoteles auf ein einziges Prinzip zu gründen, wodurch sie als solche im menschlichen Verstand verankert und unveränderlich werden. Man kann sich jedoch fragen, warum wir sie als strikt unveränderlich betrachten sollten, angesichts all der Unterschiede zwischen verschiedenen Kulturen, Sprachen und sogar Individuen, die dieselbe Kultur und Sprache teilen. Ich glaube, dass Wilfrid Sellars‘ revidierte Auffassung von Kategorien für unsere Zeit angemessener ist. Sie betrachtet die Kategorien als metasprachliche Werkzeuge, die unseren Gebrauch von objektsprachlichen Begriffen regeln, und nicht als apriorische Konzepte. Auf diese Weise haben wir nicht nur eine Erklärung dafür, woher sie kommen und wie sie funktionieren, sondern wir sind auch von der unplausiblen Annahme befreit, dass es einen unveränderlichen Satz von Kategorien gibt, die dem menschlichen Verstand eingeprägt sind.

20 Mai

‚Nicht wissen‘ und ‚Nicht-Wissen‘. Begriffsanalytische und sprachpragmatische Betrachtungen

von Wolfgang Lenzen (Osnabrück)


Im Alltag passiert es allzu häufig, dass wir etwas, das andere von uns wissen wollen, leider nicht wissen:

  • „Wo sind die Wagenschlüssel?“ – „Ich weiß es nicht!“
  • „Wer war der Mann gerade, der uns zugelächelt hat?“ – „Ich weiß es nicht!“
  • „Wann beginnen in Niedersachsen 2020 die Sommerferien?“ – „Ich weiß es nicht!“
  • „Wie heißt der gegenwärtige Ministerpräsident von Polen?“ – „Ich weiß es nicht!“ …

In gewisser Weise gilt für jeden von uns, dass unser Nicht-Wissen unser Wissen quantitativ weit übertrifft. Im Folgenden soll dieses Nicht-Wissen begriffslogisch näher analysiert werden. Dazu ist es unabdingbar, zunächst den positiven Begriff des Wissens zu präzisieren, und dieses setzt wiederum voraus, auch das Verhältnis von Wissen und Glauben zu klären.

Weiterlesen